PT 2016

Schnittrechner-Test: Komplettsystem - Dell XPS 8920 Tower

Anspruchsvolle Cutter kaufen gern ein Schnittsystem vom Spezialisten, von sogenannten Systemhäusern, die den Rechner von Hand zusammenschrauben. Doch nicht jeder will oder kann in die Vollen greifen: Ob auch Komplettsysteme von der Stange für den Videoschnitt taugen und empfehlenswert sind, haben wir anhand von zwei Rechnern von Dell und Lenovo ausprobiert. Im ersten Teil gibt´s den Testartikel zum Dell XPS 8920 Tower.
 

Direkt ab Werk und ohne spezielle Anpassungen mit einer Obergrenze von 2000 Euro – so lautete unser Wunsch, und so haben wir Rechner bei Dell und Lenovo geordert. Doch auch die Hersteller wissen: Beim Videoschnitt ist es meist mit einem „normalen“ Rechner nicht getan. Viel lieber hätte man uns eine teurere Workstation geliefert. Unter dem Begriff versteht man in der Regel leistungsstärkere Rechner als etwa fürs Büro oder Gaming gedachte Systeme, da diese speziell mit Komponenten für aufwendige Grafik- und Animationsarbeiten ausgestattet sind. Doch soviel High-End-Technik passt in den gesetzten Etat nicht wirklich rein – auch wenn beide Hersteller prinzipiell bereits Einsteigerworkstations für deutlich unter 2000 Euro anbieten.

Fakt ist, dass es zwischen der professionellen Workstation und dem Desktop-PC noch nie eine klare Abgrenzung gab. Die Begrifflichkeit wird viel eher nach Gesichtspunkten des Marketings getroffen. Insofern passt es ganz gut, dass Lenovo die ThinkStation P320 als Workstation vermarktet. Das Tower-Gehäuse hat zwar etwas weniger Kunststoff als Dells XPS-Rechner, aber die Bauform ist identisch und abgesehen von der Grafikkarte ist auch die Ausstattung recht ähnlich. Doch Dells XPS gilt als Desktop-PC, wenn auch für gehobene Ansprüche. Allerdings mussten wir den Arbeitsspeicher des Dell- Rechners selbst aufgerüsten – denn von der Stange bietet Dell das System lediglich mit 16 Gigabyte an. Die vier Riegel mit 16 Gigabyte für 530 Euro (Marktpreis) haben wir dem Endpreis zugeschlagen. Eigentlich erstaunlich, dass Dell diese Aufrüstung nicht selbst anbietet, wo man doch bei beiden Herstellern online den Wunschrechner in gewissem Umfang individuell konfigurieren kann.

Prozessor (CPU), Grafikkarte (GPU), Arbeitsspeicher (RAM) und Laufwerke lassen sich so eigentlich relativ frei wählen. Um Testaussagen zum Videoschnitt und die sehr unterschiedlichen Ansprüche der Cutter liefern zu können, haben wir auf beiden Modellen Adobe Premiere Pro CC, Grass Valley Edius Pro 8.5 sowie den CyberLink PowerDirector 16 Ultra und das Magix Video Pro X(9) installiert. Letzteres steht somit auch für die Schnittsoftware Magix Video Deluxe, da beide Programme den selben Programmunterbau haben.

Dell XPS 8920 Titel
Zwei Komplettsysteme von Dell und Lenovo für engagierte Hobby-Cutter, Semiprofis oder Profis mit deutlicher Preisdifferenz – wirkt sich das im Praxisund Leistungstest mit vier Schnittprogrammen aus?
Dell XPS 8920 open web
Die Technik der Dell XPS 8920 steckt in einem kompakten Gehäuse. An der Front sind vier USB-3.0- Schnittstellen integriert – im Inneren arbeitet eine Intel Core i7 7700 CPU mit 3,6 Gigahertz und eine Nvidia Geforce GTX 1060 Grafikkarte.
Dell XPS 8920 front
Neben den vier USB-3.0-Buchsen offeriert der Dell XPS 8920 Tower an der Front noch einen Kartenleser.
Dell XPS 8920 testtabelle

Dell XPS 8920 Tower

Die Firma Dell packt die Technik des Computers XPS 8920 in ein Midi-Tower-Gehäuse, das zur einen Hälfte aus Aluminium und zur anderen aus Kunststoff besteht. Dabei ist der Bereich aus Kunststoff zum Teil luftdurchlässig, wodurch die integrierten Lüfter Frischluft besser ansaugen und Abwärme ebenso gut abgeben können. An der Kunststoff-Front im Klavierlack-Look befinden sich vier USB- 3.0-Buchsen. Drei weitere USB-3.0-Schnittstellen offeriert der Dell zusammen mit einem USB-C-Anschluss auch noch rückseitig. Vorteil gegenüber dem Lenovo: Er hat neben vier DisplayPort-Anschlüssen zusätzlich noch je einmal HDMI 1.4, HDMI 2.0 sowie DVI-D integriert. Für genügend Anschlussoptionen ist hier also gesorgt. Zusätzlich findet man einen SD-Kartenleser sowie Kopfhörer- und Mikrofonbuchse frontseitig verbaut. Besonders haben wir in diesem Fall den Arbeitsspeicher mit seinen 64 Gigabyte DDR4 RAM dimensioniert. In der Standard- Konfiguration ist er nur 16 Gigabyte groß.

Dazu gesellt sich eine 256 Gigabyte große SSD für Betriebssystem und Programme sowie eine zwei Terabyte große Festplatte mit 7200 Umdrehungen in der Minute als Archiv- und Arbeitslaufwerk. Die Kapazität ist hier also ein klarer Vorteil gegenüber der Lenovo-Workstation. Zurückstecken muss die Dell- Workstation allerdings bei der CPU und der separaten GPU. Zwar wird sie ebenfalls von einem Intel Core i7 7700 angetrieben, aber nur mit maximal 3,60 Gigahertz, da hier nicht die „K“-Variante wie bei der Lenovo Workstation auf dem Mainboard steckt. Die darin inteintegrierte Intel HD Graphics 630 Einheit hingegen ist bei beiden Prozessoren gleich. Größter Unterschied: Im Dell-System arbeitet „nur“ eine Nvidia GTX 1060 mit 6 Gigabyte RAM, die in der Gaming-Branche als Mittelklasse-GPU gilt und unter 300 Euro kostet. Da hat die Nvidia Quadro P4000 der Lenovo-Workstation mit ihren 8 Gigabyte deutlich mehr Zugkraft. Interessant also, ob die Schnittprogramme diese Mehrleistung von Grafikkarte beziehungsweise Arbeitsspeicher auch nutzen.

Kurzfazit

Der Dell XPS 8920 ist ein leistungsstarker und empfehlenswerter Rechner, mit dem 4K- wie Full-HD-Videoschnitt auf mehreren Spuren problemlos gelingt. Die schwächere Grafikkarte fällt in der Praxis beim „normalen“ Videoschnitt kaum ins Gewicht – auch nicht bei den Exportzeiten. Wer für die Zukunft gerüstet sein will, sollte bei der Grafikkarte umkonfigurieren und etwas mehr investieren. Etwas sparen kann man beim Arbeitsspeicher – hier hätten auch 32 oder 48 Gigabyte gereicht. Prima ist das zwei Terabyte große Arbeits- und Archivlaufwerk (allerdings „nur“ eine HDD), welches für einige Projekte, auch in 4K, ausreichend ist.

Plus/Minus

+ schnell bei 4K

+ große Archiv-Festplatte

+ HDMI-2.0-Schnittstelle

+ USB-C-Anschluss

- kleines Systemlaufwerk

- nur DVD-Brenner

- unter Last hörbar laut

 

Weiter Artikel zu dieser Testserie:


Beitrag im Forum diskutieren

Unsere Videos laufen mit Musik der Online-Plattform
musik gratis