YouTube-Konflikt: Monetarisierung und kostenfreie Musik

Filmmusic.io geht nun neue Wege und bietet die gesamte Musik auf der Webseite gratis an - und das nicht nur wie bisher für die private, sondern auch für die gewerbliche Nutzung. Wir erklären was dahinter steckt.

 

Filmmusic.io, bisher auch bekannt als Musik.gratis, beinhaltet bereits über 1000 Musikstücke aus nahezu allen Musikrichtungen, wobei diese in der Mehrzahl vom Gründer Sascha Ende stammen. Dennoch betont Sascha Ende uns gegenüber, dass er seine Plattform internationalisieren (deshalb nun auch Filmmusic.io) und offen machen will auch für anderen Musiker. Derzeit sind bereits drei weitere Musiker dort vertreten. Doch einfach anmelden und hochladen, das wird auch weiterhin nicht funktionieren – die Qualität der Musik soll bei Filmmusic.io gewährleistet sein, unter anderem damit die Suche für Produzenten gezielter funktioniert und nicht unzählige Ergebnisse hervorbringt, mit denen man nichts anfängt.

Hintergrund für die Endscheidung künftig nicht nur für private Nutzung kostenfrei zu sein ist die deutlich gesunkene Monetarisierung bei YouTube, die besonders kleine Kanäle hart getroffen hat. Wer weniger als 1000 Abonnenten hat kann derzeit gar keine Monetarisierung machen. Auch Kanäle die um die 10.000 Abonnenten haben, so wie zum Beispiel VIDEOAKTIV, haben dies massiv zu spüren bekommen. Die Einnahmen sind insgesamt gesunken. Zumal YouTube keine Monetarisierung direkt nach zu fixen Tarifen und nach Anzahl der Zugriffe macht. Vielmehr werden hier die Werbeeinnahmen gegen die YouTube-Kosten gegenrechnet. Erst daran orientiert sich die Ausschüttung. Kommen beispielsweise wegen der neuen DSGVO (siehe Artikel in der VIDEOAKTIV 4/2018) höhere Kosten auf YouTube zu, so bezahlen das die vielen YouTuber durch geringere Einnahmen. 

Genau das trifft dann aber auch die Musikmacher, die bisher über die Monetarisierung dieser kleinen Kanäle partizipiert haben. „Die Einnahmen haben sich nicht nur halbiert. Mit dieser Art lässt sich derzeit und wahrscheinlich auch auf Dauer kein Geld verdienen“, meint Sascha Ende.

 


Wie Sascha Ende von Filmmusic.io eine Filmmusik aufbaut und aus wievielen Klängen letztendlich der Klang komponiert ist, das zeigen wir hier in diesem Video

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Statt auf die Monetarisierung zu setzen versteht er das Projekt Filmmusic.io inzwischen als Werkzeug um Reichweite und Aufmerksamkeit zu erreichen. Ziel ist es also an Kompositionsaufträge für Filmmusik zu kommen. Ganz kritiklos geht das nicht zu. Andere Musiker sehen es als Preisdumping und bangen um die eigenen Aufträge. Lange Zeit haben Anbieter mit Musikarchiven gutes Geld verdient. Schließlich gibt es allenfalls bei großen Filmprojekten und Dokumentationen Aufträge für individuelle Auftragskompositionen. Dieser Markt für Kompositionen ist derzeit also vergleichsweise klein. Doch das  muss nicht so bleiben, denn auch hier hat sich die Arbeit durch Musiksoftware verändert. Ein Orchester spielt hier schon lange nicht mehr. Wie eine Musik aufgebaut ist, das zeigt das oben eingebundene Video. Auftragskompositionen sind also erschwinglicher und vielleicht auch künftig für kleinere Budget zu packen.

Fakt ist: Die kostenlos Kultur ist noch nicht am Ende angekommen. Statt Leistungen abrechnen zu können müssen sich Anbieter wohl künftig eher auf Sponsoring oder kleine Spenden verlassen - oder die Leistung als "Anteaser" verstehen und im Huckepack Dienstleistungen und Produkte verkaufen. Das trifft nicht nur die Filmmusik sondern letztlich die gesamte Medienindustrie. Letztlich lesen auch Sie diese Zeilen kostenfrei - wobei wir immer ganz offensiv für unser Magazin werben, ohne das auch diese Portal nicht möglich wäre.

Als Anbieter stellt sich dabei kaum die Frage ob man den Trend nun gut findet oder nicht - überleben können nur die, die damit umgehen lernen und Lösungen finden.


Linkliste zu weiterführenden Artikeln der VIDEOAKTIV 4/2018:

 

Filmmusic io PT

Filmmusic.io bietet ab sofort kostenfrei die Musik für private und gewerbliche Nutzung an. Der Webauftritt soll sogar demnächst aufgewertet werden. In der YouTube-Grafik sieht man gut die Entwicklung der Werbeeinnahmen mit der Tendenz nach unten.

Titel VIDEOAKTIV 4 2018
Für die aktuelle VIDEOAKTIV 4/2018 haben wir Smartphone-Gimbals intensiv getestet und erklären im ausführlichen Praxis-Kapitel was Filmer zur Datenschutzgrundverordnung wissen müssen.


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