Eigenbau: Stativ-Rucksack für die Outdoor-Videografie

Eigenbau-Projekte von VIDEOAKTIV-Lesern sind in der Redaktion immer gerne gesehen, da sie zumeist eine sehr interessante Idee aufzeigen, die dem Filmer das Leben erleichtern kann. Zugegebenermaßen erreichen uns solche Zusendungen leider immer seltener. Der in Eigenregie entwickelte "Stativrucksack" von Werner Hoh ist da um so spannender. Wir zeigen hier, wie das von ihm erdachte Konzept funktioniert.

Gerade für Natur- und Tierfilmer gilt: Ist das Motiv in der Wildnis schwer erreichbar, benötigt man ein Objektiv mit langer Brennweite. Extreme Telebrennweiten sind dabei meist groß und schwer, setzen also eine zusätzliche Unterstützung durch ein Stativ für verwacklungsfreie Aufnahmen voraus.
Im Normalfall wird das Stativ beim Transport dafür am Rucksack festgeschnallt. Nachteil:
Die Bewegungs- und Handlungsfreiheit ist eingeschränkt - kommt ein Motiv in Sicht, muss man den Rucksack erst abnehmen und das Stativ aufstellen. Das braucht Zeit und nicht selten ist das Motiv dann schon wieder verschwunden und der Moment verpasst.

Aus dieser Überlegung heraus hat sich VIDEOAKTIV-Leser Werner Hoh einen modifizierten Videorucksack "gebastelt". Sein Motto: Rucksack abstellen, Kamera aufs Stativ – fertig! In nur wenigen Sekunden. Wie´s funktioniert, zeigen wir und Werner Hoh Ihnen anhand dieser Bildstrecke.

2018 08 06 Eigenbau Stativrucksack

Ein Kamera-Rucksack mit integriertem Stativ, der sich einfach transportieren und aufstellen lässt, klingt nach einem nützlichen Zubehör für Filmer. VIDEOAKTIV-Leser Werner Hoh hat im Eigenbau einen solchen Rucksack konstruiert.

Bilder + Texte: Werner Hoh (Redaktion:pmo)

Werner Hoh Stativrucksack 02

Basis: Als Basis diente Werner Hoh ein Manfrotto Rucksack Pro Light mit einfachem Gurt- und Tragesystem und ein Cullmann TITAN CT 200 mit Schiebesäulen und Spikes.





Werner Hoh Stativrucksack 03

Konstruktion: An einer mit Aluprofilen verstärkten Basisplatte habe ich die Stativbeine befestigt, so dass sie seitlich am Rucksack anliegen. Mit den vorhandenen Schnallen lassen sich die Beine zum Transport befestigen. Die Gummistrips am Rucksack stabilisieren das Stativ zusätzlich, wobei dieser mittig unter der Platte hängt. Wird der Platz zwischen Platte und Rucksack für die Kamera nicht gebraucht, kann man mit den verstellbaren Bändern den Raum reduzieren.

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Aufbau: Für Videoaufnahmen stellt man den Rucksack ab, löst die Kamera aus der Schnellwechselplatte lösen und schiebt diese auf dem Stativ ein. Jetzt richtet man diese über die Halbschale horizontal aus und kann dann mit dem Dreh beginnen.





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Aufbau: Der in Arbeitshöhe angebrachte Klemmhebel erlaubt eine schnelle Höhenverstellung des Stativs, ohne Bücken in aufrechter Körperhaltung. Durch die schmutzgeschützte Stativbein-Innenklemmung lässt sich das TITAN CT 200 im aufgebauten Zustand auch im Wasser oder schmutzigen Untergrund aufstellen, ohne dass die Ausrüstung im Rucksack zu Schaden kommt. Für das Filmen mit dem Superteleobjektiv ist die Tragfähigkeit mehr als ausreichend. Zusätzlich stabilisiert das Rucksack-Gewicht das Stativ.

Werner Hoh Stativrucksack 06

Öffnen: Zur schnellen Entnahme von Kamera und Zubehör lässt sich der Rucksack zwischen den Stativbeinen öffnen.






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Stauraum: Voll bepackt fasst der Rucksack 36 Liter. Im gepolsterten Rucksack ist Platz für eine A6500 mit einem Sigma 1,8 18-35mm auf Rig plus Atomos Shogun. Sowie einem Sigma 1.8 50-100mm und eine Sony A7s mit 150-600mm- und 10-18mm-Objektiv, einem XLR-K2M + Rode pro und Funkstrecke, eine Dedolight-Leuchte und in der rückwärtigen Tasche noch diverses Zubehör (Ersatz-Akku, Speicherkarten, Rollei Filterset).

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Im Einsatz: Die Sony AX53 hängt mit Rig unter der Stativplatte. Mit Schnellwechselplatte und Adapter ist man schnell einsatzbereit.

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Im Einsatz: Auf der Oberseite der Stativplatte neben der Halbschale lassen sich die Schärfezieheinrichtung und ein Mini-Slider befestigen.

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Sonnen-/Regenschutz: Ein kleiner Regenschirm mit einer Halterung versehen, kann ebenfalls an der Stativplatte angebracht sein. Er spendet Schatten beim Dreh und schützt vor Regen. Den Rucksack selbst schützt noch die Schutzabdeckung. Wird die Abdeckung umgedreht, schützt die silberne Seite die digitalen Geräte vor zu starker Wärme.






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Persönliches Fazit (Werner Hoh): Der Rucksack bietet aufgrund der guten Schutzpolsterung und einem Tragesystem mit Beckengurt den erforderlichen Komfort für den Transport über längere Strecken. Durch die Konstruktion wird ein schneller Zugriff auf die Kamera, Stativ und Zubehör ermöglicht. Ein Gesamtgewicht von um die 15 Kg ist für mich optimal, schließlich muss nicht immer alles mit. Wird die gesamte Ausrüstung, wie beschrieben, eingepackt, wiegt der Rucksack dann aber 25 Kg. Das ist zu viel. Für die kleine Videoausstattung und persönliche Gegenstände bietet der Rucksack meiner Ansicht nach den nötigen Komfort.

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